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Einführung
Am Anfang war ... Bildgedanken zur Genesis und zu den Büchern Mose
Eigentlich wollte ich diese Bilderfolge nur malen und nicht darüber schreiben, schon deshalb, weil ich Malerin bin und nicht Theologin. Aber darum gebeten, will ich meine Gedanken zu ihrer Entstehung mitteilen.
Der Bilderzyklus "Am Anfang war... Bildgedanken zur Genesis und zu den Büchern Mose` ist im Jahr 2001 entstanden. Er umfasst 49 Bilder, mit Wasserfarbe auf getönten Karton gemalt und mit farbiger Kreide überhöht gestaltet. Sie fügen sich in eine gemeinsame Ordnung. Man könnte von einem Konzept sprechen, wenn nicht die ersten Bilder zunächst wie zufällig, aus der Freude an den Farben und am Malen und noch nicht einmal der Reihe nach entstanden wären. Von Bild zu Bild und von Bibelseite zu Bibelseite hat sich eine Ordnung entwickelt, die das Gesamtwerk in klar strukturiertem Aufbau und mit eigener Aussage entstehen ließ.
Die Bildthemen entsprechen zunächst dem Bibeltext der Genesis, lösen sich aber dann davon, um beispielhafte Szenen aufzugreifen, die die weitere Entwicklung des Menschen in den Büchern Mose reflektieren. Sie treten in einen neuen inhaltlichen Zusammenhang. So entsprechen die ersten, jeweils 3x3 = 9 Bilder der Genesis, und - in Übereinstimmung mit ihr - auch die weiteren 9 Bilder: der Erschaffung der Menschen, ihrem Leben im Paradies, ihrer Vertreibung und endlich ihrem Absturz in die Realität. Es folgen 9 Bilder, die das Überleben der Menschen in einer „neuen“ Weit zum Thema haben, das Unterstützt wird durch besondere "Gaben", aber auch erschwert durch auferlegte "Lasten" und schließlich begrenzt auf den Bereich menschlicher Fähigkeiten, wie der Turmbau zu Babel und die Verwirrung der Sprachen zeigen. Die nächsten 9 Bilder greifen Geschehnisse auf, die das Einwirken der Vorsehung auf das menschliche Leben zum Thema haben, zunächst unsichtbar auf das Einzelschicksal, dann sichtbar in Engel-Erscheinungen und schließlich greifbar im Wasser, das sich als Leben bewahrende, Leben zerstörende und Leben spendende Kraft auf die Menschen als Gemeinschaft auswirkt. Die 9 weiteren Bilder folgen dem Leben Mose, der als Auserwählter seinem Auftrag und damit der Vorsehung entspricht: Er führt die Stämme Israels aus Ägypten auf dem Weg ins gelobte Land, er erhält die Gesetze und übermittelt sie, und er errichtet die Stiftshütte mit der Bundeslade als Zentrum einer neuen, monotheistischen Religion. Eingeleitet wird die Bilderfolge durch ein Titelblatt, auf dem sich erste Anzeichen von Leben in farbiger Struktur verdichten, und beendet wird sie mit drei Portraitdarstellungen der Menschen, deren Leben durch die Vorsehung in besonderer Weise gezeichnet erscheint
So ist der Bilderzyklus nicht als Illustration des Bibeltextes zu verstehen. Er erfasst den Gedanken, der die Bücher Mose wie ein roter Faden durchzieht: Leben als Einheit von Gott und Menschen - ihr Sinnbild ist der Regenbogen. Die Folge und jedes einzelne Bild erinnern eher an eine Metapher, die einen komplexen Inhalt sammelt, ihn, wie durch ein Prisma gesehen, in viele Farben spaltet und spiegelt und dann auf eine andere Ebene, die Bildebene, erhebt.
Die Schöpfungsgeschichte umschreibt zunächst einen im Unendlichen liegenden Zeitraum, sie berichtet von einem Geschehen vor der Zeit. Und doch wird die Erschaffung der Welt zeitlich beschrieben, in Tagen, Tagen einer Woche, Monaten, Jahren. Zeit entsteht als Maß aller Dinge, in dem sich menschliches Leben entwickelt. Das Geschehen, von dem Moses berichtet, scheint fern und zugleich unmittelbar nah zu sein. Abraham begann seine Wanderung etwa um die Zeit 1800 v.Chr., und Moses mag um 1230 v.Chr. gewirkt haben, und doch überwinden die lebensnahen Berichte von Einzelschicksal und Stammesgeschichte die Zeit. Sie haben mich fasziniert, so dass dieser eigenwillige Bilderzyklus entstanden ist. In jedem Bild schwingt die Frage mit, ob der Mensch, der heute lebt, arbeitet und entscheidet, noch der gleiche "menschliche" Mensch ist, von dem Moses berichtet, oder ob es seitdem eine Entwicklung zum Menschen" gegeben hat? Greift die Vorsehung noch helfend oder auch hindernd in unser Leben ein? Ist Schicksal Vorsehung? Diese Fragen klingen in der Bilderfolge an und suchen darin eine Antwort. Sie beschäftigen mich schon lange: Ich bin - ebenso wie meine Eltern - Kriegskind; meine erste Einzelausstellung 1972 stand schon unter dem Motto "Und immer auf der Suche nach dem Menschen".
Die Bilder ordnen sich jeweils zu dritt einem Thema zu und bilden als 3x3 = 9 Bilder eine Reihe und gedankliche Einheit. Sie lassen sich in fünf Reihen untereinander zu einer geschlossenen Fläche, einem Rechteck ordnen. Die thematische Einheit von jeweils drei Bildern ergibt sich zum einen aus dem Bibeitext zum anderen, weil vergleichbare Bildzitate darin auftauchen, die hier Thema werden. Aus dem Dreiklang der Bilder entsteht ein deutlich wahrnehmbarer Rhythmus, der die Bilderfolge wie Atem durchzieht und die Einzelbilder miteinander verbindet. Er wird vor allem durch die Farbe, durch Komposition. Struktur und die Dynamik der Bewegung sichtbar; zudem entsteht eine wechselnde Wirkung von Fläche und Raum: Die gemalte Fläche öffnet sich immer wieder in einen imaginären Raum. Dabei weist kein Bild einen festen Untergrund oder eine eigene Statik auf. Die Komposition ist schwerpunktbezogen, so dass sich von Bild zu Bild ein fließender Obergang ergibt, der sich dem Rhythmus impulsgebend oder kontrastierend zuordnet. Er wird deutlich in Anstieg und Abfall, Bewegung und Ruhe, Richtung und Gegenrichtung. Es entsteht Bewegung im Sinne von Zeit, gelebter Zeit: Vergangenheit wird wieder Gegenwart im Bild, in Inhalt und Aussage.
Es gibt viele Künstler, die sich mit der Genesis und den Büchern Mose beschäftigt haben, um sie künstlerisch zu erfassen. Michelangelo malte die Sixtinische Kapelle aus: ein Werk, das die Weit noch heute in Erstaunen setzt,' ebenso die Bibel von Marc Chagall, der Joseph-Roman von Thomas Mann oder die Bernwardtür in Hildesheim und andere. So ist mein Versuch fast vermessen. Aber die Schöpfungsgeschichte und die Bücher Mose sind voller Leben, und Leben ist unendlich vielfältig, auch in der Kunst.
Gepa Klingmüller 2001
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Vorwort zu biblischen Bildern (Buchausgabe)
Ein Bilderbuch wie ein Lyrikbuch,
jedes Bild wie ein Gedicht.
Gelesenes, Nachgelesenes, lange Gewußtes
und Verinnerlichtes -
das gibt im Umgang mit der Bibel:
eine religiöse, eine poetische Dimension.
Gab es für den biblischen Schriftsteller
zuerst das Wort oder zuerst das SchaubarBildhafte?
Das Chaos war dunkel-schwarz,
die erschaffene Welt ist Licht und Farbe,
Gestalt und unendliches Blickfeld.
Malend ist eine Künstlerin herausgefordert,
will aussagen, verkündigt, was sie gelesen.
Darüber der himmlische Regenbogen.
Die Gestalten der Urgeschichte erscheinen:
Moses und Abraham, und handeln,
wie die Bibel es vorgegeben hat:
eine Menschheitsgeschichte,
deren Ziel der Friede auf Erden ist.
Engelsgesichter durchblicken die Farbenwelt.
Außenwelt wird zur Innenwelt,
kein Nacherzählen, sondern ein Veranschaulichen.
Die Farbe sichtbar unter dem Druck
und der Leichtigkeit des Pinsels.
Das ist die Malerin, die auszudrücken versucht,
was die eigene Vorstellungswelt übersteigt:
künstlerische Vorgänge,
viele künstlerische Vorgänge,
eine Abfolge und noch mehr ein Gesamtbild:
Gelesenes wird zum Geschauten,
biblisch Gelesenes behält den Anspruch des Gelesenen.
Die mitgelieferten Bibelverweise sind Unterschriften,
belegen die worthafte Bedeutung des Gemalten.
Die das Buch in die Hand nehmen,
sehen eine farbenfrohe Welt der Bibel,
biblische Anfänge, die aus der Genesis
in die Heilsgeschichte schwingen.
Ein Angebot aus der potentia spiritualis.
Wilhelm Gössmann
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